SoVD-Kreisverband Grafschaft Bentheim

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03.04.2010 - Pressemitteilung - Aktuelles

03.04.2010

Hier die Beschreibung des Bildes

v.l.n.r. Gesine Butke,Landrat Kethorn, Hanna Reurik,Reinhard Jakobs und Karl-Heinz Bach

Arztpraxen auf Barrierefreiheit überprüft

Neue Broschüre veröffentlicht als Wegweiser für Menschen mit Behinderungen

GN.Nordorn  In mehreren Monaten intensiver Arbeit hat eine Arbeitsgruppe des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) Arztpraxen im Landkreis Grafschaft Bentheim aufgesucht. Vor allem wollten sie wissen, ob und inwieweit die Praxis für gehbehinderte Menschen ohne Barrieren zugänglich ist. Das Ergebnis ist jetzt zusammengefasst in einer Broschüre. Sie soll insbesondere Rollstuhlfahrern eine Orientierung geben.

Sind die Praxis- und Behandlungsräume rollstuhlgerecht. Ist der Eingang barrierefrei? Liegt die Arztpraxis im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs. Gibt es Behindertenparkplätze? Ist ein Fahrstuhl vorhanden? Diese und einige weitere Fragen lagen der Untersuchung zugrunde. Von 150 im Landkreis aufgesuchte Arztpraxen haben letztendlich 120 bei der Aktion mitgemacht und sind auch in der Broschüre vertreten. Mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen: So gibt es einige Arztpraxen, die nur einen von insgesamt zehn Kriterien erfüllen, andere schneiden besonders gut ab und sollen demnächst mit einer entsprechenden Plakette noch ausgezeichnet werden.

"Wir haben bewusst alle Praxen, die mitgemacht haben, in die Broschüre aufgenommen", erklärte Gesine Butke, Kreisvorsitzende des SoVD, bei der offiziellen Vorstellung der Broschüre. Damit soll zum einen behinderte Patienten eine Hilfestellung gegeben werden bei der Suche nach einer möglichst barrierefreien Praxis. Zum anderen aber soll die Broschüre auch das Bewusstsein für das Thema schärfen und ein Ansporn für weitere Verbesserungen sein.

"Häufig sind es schon Kleinigkeiten, die helfen können, wie zum Beispiel die Anbringung eines Geländers", berichtete Karl-Heinz Bach, der das Projekt des Sozialverbandes in der Grafschaft geleitet hat. Er bedankte sich ausdrücklich bei den beteiligten Ärzten: "Wir konnten eine Menge Anregungen geben und sind bei den Ärzten auf offene Ohren gestoßen", Mängel habe die Arbeitsgruppe häufiger bei den sanitären Anlagen festgestellt. Und auch bei den Eingängen zur Arztpraxis. "Da werden auch Mütter mit Kinderwagen ihre Schwierigkeit haben", meinte Bach. Er wies zugleich darauf hin, dass manche Ärzte keine Möglichkeit für bauliche Änderungen haben, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Praxisräume gemietet sind und der Eigentümer zuständig wäre. Und nicht überall könne zum Beispiel ein Fahrstuhl nachgebaut werden.

Ein Jahr hat die Projektgruppe gebraucht, um alle Daten für die Broschüre zusammenzutragen. Dabei wurden rund 900 Stunden in ehrenamtliches Engagement investiert und rund 4000 Kilometer gefahren. Mitgewirkt haben neben Karl-Heinz Bach als ehrenamtlichen Mitglieder des SoVD Horst Holschke, Günter Mölderink, Hans-Dieter Wolters sowie Gerda und Hermann Hoegen.

Das Projekt ist Teil einer übergreifenden Aktion zum Thema "barrierefreie Freizeitgestaltung", bei der der SoVD-Kreisverband mit den Seniorenservicebüros des Landkreises zusammenarbeitet.

Bei der Übergabe der Broschüre an Landrat Friedrich Kethorn kündigte Karl-Heinz Bach eine weitere Aktion an: Als nächstes sollen alle öffentlichen Gebäude im Landkreis Grafschaft Bentheim auf Barrierefreiheit untersucht werden. Der Landrat sagte auch für diese Aktion Unterstützung zu. "Sie werden bei uns in der Kreisverwaltung auf offene Türen stoßen und ich bin sicher in den Grafschafter Rathäusern ebenso", versicherte er. Unterstützung auf dem Weg zu einem "barrierefreien Landkreis" versprachen auch Reinhard Jakobs, Vorsitzender der Freiwilligenagentur, und Hanna Reurik vom Seniorenservicebüro Emlichheim.

Bereits im vergangenen Jahr hat es im Landkreis eine erste Aktion zum Thema Barrierefreiheit gegeben. Federführend waren Mitglieder der Multisklerose-Selbsthilfegruppe "DiRose". Sie haben gastronomische Betriebe im Landkreis untersucht und ebenfalls eine Broschüre zusammen gestellt. "Es ging uns nicht um die Erfüllung von DIN-Normen, sondern um die Frage: Kommen wir als Rollstuhlfahrer zurecht?", erklärte damals Michael Richter von der Selbsthilfegruppe und zog eine bescheidene Bilanz: "Das Ergebnis ist eher mager."

Die Broschüre ist in einer Auflage von 4700 Exemplaren gedruckt. Finanzielle Unterstützung gab es dafür unter anderem vom Behindertenbeirat des Landkreises und der Grafschafter Freiwilligenagentur. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe hoffen auf viele Anregungen und darauf, dass bei einer zweiten Auflage noch mehr Ärzte mitmachen werden. Schon jetzt soll es die Möglichkeit geben, Ergänzungen unter www.sovd-grafschaft-bentheim.de zu berücksichtigen.




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