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Gesundheitsversorgung - Frauenkörper funktionieren anders

Gesundheitsversorgung - Frauenkörper funktionieren anders

Was für Männer gut ist, kann Frauen wohl auch nicht schaden

Auf Beipackzetteln von Arzneimitteln sucht man sie vergeblich: unterschiedliche Dosierungsempfehlungen für Frauen und Männer. Dabei kann ein und dasselbe Medikament je nach Geschlecht sehr unterschiedlich wirken. Doch auch heute noch ist der Mann in der Medizin das Maß alles Menschlichen. Reihenweise werden Arzneimittel auf den Markt gebracht, die fast ausschließlich an männlichen Probanden getestet wurden. Wenn Frauen beteiligt waren, dann nur jenseits des gebärfähigen Alters. Hintergrund für die Nichtbeteiligung von Frauen an der Forschung ist, dass z.B. die monatlichen hormonellen Schwankungen der Frauen es erschweren, eindeutige Ergebnisse zu erhalten. Die Tests müssten folglich mehrmals wiederholt werden und sind somit aufwendiger und kostenintensiver. Ein weiterer Grund ist das Risiko einer unerkannten Schwangerschaft und die Angst, Frauen oder dem ungeborenen Leben durch den Medikamenten-Test zu schaden. Diese Gründe sind zwar nachvollziehbar, sie ändern aber nichts daran, dass im Krankheitsfall Frauen die gleichen Medikamente verschrieben werden wie Männern, obwohl für die Wirksamkeit und Nebenwirkungen dieser Medikamente keine detaillierten Erkenntnisse für Frauen vorliegen.

 

Mit der Änderung des Arzneimittelgesetzes im Jahr 2004 ist erstmals festgeschrieben worden, dass bei den Zulassungsstudien auch Frauen berücksichtigt werden müssen. Mit dieser Gesetzesänderung ist allerdings nicht einhergegangen, dass bereits auf dem Markt befindliche Medikamente nachträglich überprüft werden. Im Gegenteil: es kann davon ausgegangen werden, dass ausschließlich neu zugelassene Medikamente auch an weiblichen Testpersonen ausprobiert worden sind. Folglich ergibt sich für Frauen eine falsche Standarddosis, sie leiden häufiger an Nebenwirkungen wie Männer und manche Medikamente, die für Männer wirksam sind, erweisen sich für Frauen als gefährlich bis sogar tödlich.

 

Der kleine biologische Unterschied ist folglich nicht zu vernachlässigen. Frauen sind nicht einfach nur leichtgewichtigere Männer. Frauen haben bei Erkrankung zum Teil andere Symptome und Krankheitsverläufe, reagieren auf Medikamente und Therapien anders, haben andere Lebensumstände und häufig ein anderes Verständnis von Gesundheit und Krankheit. Zukünftig werden diese Unterschiede in der Forschung und Lehre verstärkt Beachtung finden und differenziert erhoben müssen. Bei der Ausbildung von medizinischem Fach – und Pflegepersonal werden zukünftig Kenntnisse über geschlechts-, alters – und lebenslagenbedingte Unterschiede im Hinblick auf Ursache, Verlauf und Therapie von Krankheiten sowie über Wechselwirkungen von Medikamenten verpflichtende Ausbildungsinhalte sein. Das gleiche gilt auch für die Hochschulen. Außerdem ist eine stärkere Repräsentanz von Expertinnen im Gesundheitswesen zu fördern. Nur so kann ein ganzheitlicher „weiblicher Blick“ in der Gesundheitsversorgung für Frauen erreicht werden.

 




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